Eine stille Gewohnheit, die unbemerkt die Produktivität von Millionen von Menschen untergräbt

Diese stille Gewohnheit, die unsere Produktivität unbemerkt sabotiert, besteht darin, ständig das Handy zu überprüfen und die Aufmerksamkeit immer wieder auf etwas anderes zu lenken. Selbst eine kurze Unterbrechung kann die Konzentration für mehrere Minuten stören, die geistige Ermüdung verstärken und die Zeit verlängern, die zum Erledigen von Aufgaben benötigt wird. Und es geht nicht nur um soziale Netzwerke – auch E-Mails, Chats oder das „schnelle“ Entsperren des Handys sind ein Problem.

Vielleicht tun Sie das gerade jetzt, ohne es zu merken.

Es reicht schon eine kleine Vibration oder der Gedanke, nach der Uhrzeit zu schauen. Sie öffnen das Handy, überprüfen eine Benachrichtigung, dann die nächste, und schließlich beantworten Sie eine Nachricht. Und plötzlich sind zwei Minuten vergangen.

In der Zwischenzeit hat sich Ihr Gehirn jedoch auf etwas ganz anderes umgestellt. Und die Rückkehr zur ursprünglichen Aufgabe ist viel schwieriger, als Sie denken würden.

Diese unauffällige Gewohnheit gehört zu den größten versteckten Produktivitätskiller. Auf den ersten Blick sieht das nicht dramatisch aus, aber es wiederholt sich zehnmal, wenn nicht sogar hundertmal am Tag.

Warum kostet uns schon eine Ablenkung von nur wenigen Sekunden so viel Energie?

Unser Gehirn ist nicht für echtes Multitasking ausgelegt. Tatsächlich ist es nicht in der Lage, sich mehreren Aufgaben gleichzeitig zu widmen. Stattdessen wechselt es ständig zwischen verschiedenen Tätigkeiten hin und her.

Jeder solche Wechsel bedeutet, dass es sich den Kontext wieder ins Gedächtnis rufen, sich daran erinnern muss, wo es aufgehört hat, und sich erneut in die Arbeit vertiefen muss.

Und was das zur Folge hat:

  • langsamere Arbeitsleistung,
  • mehr Fehler,
  • größere Müdigkeit
  • und das Gefühl der Überforderung.

Paradoxerweise kann es so passieren, dass man den ganzen Tag beschäftigt ist, aber abends das Gefühl hat, fast nichts geschafft zu haben.

Das größte Problem? Man muss nicht einmal das Handy benutzen

Viele Menschen glauben, dass das endlose Scrollen in sozialen Netzwerken der Hauptgrund für den Produktivitätsverlust ist. Aber in Wirklichkeit kann es viel einfacher sein.

Zum Beispiel:

  • das Wetter checken,
  • kurz in die E-Mails schauen,
  • eine Nachricht lesen,
  • das Ergebnis eines Sportmatches nachsehen,
  • den Kalender überprüfen.

Wissen Sie, unser Gehirn macht keinen Unterschied, ob Sie zwei Minuten oder nur zwanzig Sekunden am Handy verbringen. Sobald die Konzentration unterbrochen wird, müssen Sie den Arbeitsmodus wieder in Gang bringen.

Deshalb sprechen Experten immer häufiger von den Kosten des Aufmerksamkeitswechsels.

Warum ist diese Gewohnheit so stark?

Unser Handy funktioniert nach dem gleichen psychologischen Prinzip wie Spielautomaten. Man weiß nie genau, was einen erwartet, wenn man es entsperrt. Vielleicht ist es eine wichtige Nachricht, vielleicht ein interessantes Foto oder vielleicht gar nichts.

Diese Unvorhersehbarkeit ist es, die unser Gehirn in Spannung hält und die Erwartung einer weiteren Belohnung weckt. Deshalb ertappen sich viele von uns dabei, wie sie ihr Handy ganz automatisch entsperren – ohne einen konkreten Grund dafür zu haben.

KI, Benachrichtigungen und Personalisierung verstärken die Ablenkung noch weiter

Heutige moderne Apps nutzen Algorithmen, die hervorragend einschätzen können, was Sie interessieren könnte. Personalisierte Beiträge, empfohlene Videos oder clevere Benachrichtigungen sind kein Zufall. Ihr Hauptziel ist es, die Zeit zu verlängern, die Sie in der App verbringen.

Und genau deshalb wird es immer schwieriger, das Handy nach wenigen Sekunden beiseite zu legen. Es liegt nicht an mangelnder Willenskraft; die digitale Umgebung ist nämlich so gestaltet, dass sie unsere Aufmerksamkeit so lange wie möglich fesselt.

Woran erkennt man, dass diese Gewohnheit die Produktivität mindert?

Typische Anzeichen mögen unscheinbar wirken.

Vielleicht kommen sie Ihnen bekannt vor:

  • Sie vergessen oft, was Sie eigentlich tun wollten,
  • eine einfache Aufgabe nimmt viel mehr Zeit in Anspruch,
  • beim Lesen springen Sie ständig ein paar Absätze zurück,
  • Sie haben zehn Tabs geöffnet und springen ständig zwischen ihnen hin und her,
  • am Abend fühlen Sie sich müde, obwohl Sie körperlich fast nichts getan haben.

In den meisten Fällen liegt es nicht an der Arbeitsmenge. Das Problem sind vielmehr häufige Unterbrechungen.

Was funktioniert besser als Willenskraft?

Oft suchen Menschen nach Apps, die ihnen bei der Produktivität helfen sollen. Tatsächlich kann es jedoch viel effektiver sein, die eigene Umgebung zu verändern. Hier sind ein paar Tipps:

Schalten Sie unnötige Benachrichtigungen aus

Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Handy entscheidet, wann Sie mit der Arbeit aufhören sollen.

Legen Sie Ihr Handy außer Reichweite

Wenn Sie aufstehen müssen, um es zu holen, reduzieren Sie dadurch deutlich die Anzahl der automatischen Blicke auf das Display.

Arbeiten Sie in Blöcken

Nehmen Sie sich 30 bis 60 Minuten Zeit, um ungestört zu arbeiten. Schauen Sie erst danach in Ihre Nachrichten.

Halten Sie nur ein Fenster geöffnet

Jeder weitere Tab im Browser ist eine weitere Versuchung. Je einfacher die Arbeitsumgebung, desto besser.

Schaffen Sie sich ein bewusstes Ritual

Wann immer Sie Lust haben, nach dem Handy zu greifen, fragen Sie sich:

Was genau muss ich jetzt tun?

Wenn Sie die Antwort nicht wissen, brauchen Sie das Handy wahrscheinlich gar nicht.

Der größte Fehler? Der Versuch, ständig erreichbar zu sein

Viele Menschen haben das Gefühl, sofort reagieren zu müssen. Doch die meisten Nachrichten können problemlos ein paar Minuten oder sogar Stunden warten.

Ständige Erreichbarkeit mag zwar wie ein Zeichen von Effizienz wirken, stört aber in Wirklichkeit die tiefe Konzentration, die für anspruchsvollere Aufgaben absolut entscheidend ist.

Was erwartet uns in den kommenden Jahren?

Mit dem Aufkommen von KI-Assistenten, personalisierten Empfehlungen und immer intelligenteren Apps wird der Kampf um unsere Aufmerksamkeit noch härter werden.

Andererseits wächst das Interesse an digitalem Minimalismus, achtsamem Arbeiten und der Fähigkeit, sich ohne ständige Unterbrechungen zu konzentrieren.

Gerade die Kunst, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, könnte zu einer der wertvollsten Fähigkeiten der Zukunft werden – nicht nur im Berufsleben, sondern auch im Privatleben.

Häufig gestellte Fragen

Welche Gewohnheit mindert die Produktivität am meisten?

Meistens ist es das ständige Checken des Handys und das häufige Wechseln zwischen verschiedenen Aufgaben.

Warum ist Multitasking ineffizient?

Tatsächlich ist unser Gehirn nicht in der Lage, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten, sondern wechselt lediglich schnell die Aufmerksamkeit, was zu größerer Ermüdung und einer höheren Fehlerquote führt.

Wie oft am Tag überprüfen Menschen ihr Handy?

Viele Nutzer entsperren ihr Handy zehn- bis hundertmal am Tag. Die genaue Zahl hängt davon ab, wie sie ihr Handy nutzen.

Hilft es, Benachrichtigungen auszuschalten?

Auf jeden Fall. Das Einschränken unnötiger Benachrichtigungen ist eine der besten Möglichkeiten, die Anzahl der Unterbrechungen zu verringern.

Liegt das Problem nur bei den sozialen Netzwerken?

Nein, ganz und gar nicht. Auch E-Mails, Chat-Apps, Nachrichtenseiten oder sogar das häufige Überprüfen der Wettervorhersage können uns ablenken.

Wie lange dauert es, nach einer Unterbrechung wieder zur Arbeit zurückzufinden?

Das hängt von der Komplexität der Aufgabe und von jedem Einzelnen ab, aber schon eine kurze Unterbrechung kann unsere Konzentrationsfähigkeit erheblich beeinträchtigen.

Lässt sich diese Gewohnheit ändern?

Ja, das geht. Am besten funktioniert eine Kombination aus der Einschränkung von Benachrichtigungen, dem Arbeiten in Zeitblöcken und der Schaffung einer Umgebung mit möglichst wenigen ablenkenden Reizen.

Foto: Zoner AI

Quellen: APA, Springer Nature, Organization Science